Zwischen Amman und Berlin: Einblicke ins Wassermanagement in Jordanien
Fotos: © Tabea Hertel
Zwei Monate war Tabea Hertel, Projektingenieurin der Siedlungswasserwirtschaft, spiekermann ingenieure gmbh, 2025 in Jordanien. Hier erzählt Sie im Rückblick von der Projektarbeit vor Ort, dem kulturellen Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen und wie es mit dem Projekt „Electric Load Management in the Jordanian Water Sector“ weiterging.
Wie ging es dir nach deiner Rückkehr aus Jordanien?
Tabea Hertel: Ziemlich gut! Ich hatte nach meinem Einsatz noch zwei Wochen Urlaub vor Ort und habe die Zeit sehr genossen. Jordanien kannte ich ja schon, also hat ich Zeit alte Erinnerungen aufleben zu lassen und Orte wieder neu zu entdecken. In der Zeit ist meine Schwester mich besuchen gekommen und wir waren zusammen unterwegs, das war ein richtig schöner Abschluss. Und dann war es auch wieder toll, zurück in Berlin zu sein, beruflich wie privat. Meine besten Freunde haben in der Zwischenzeit ein Baby bekommen, das ich endlich kennenlernen durfte!
Du warst schon vor deinem Einsatz für spiekermann in Jordanien und hast auch schon im Ausland gearbeitet. Sind deine Erwartungen erfüllt worden? War es diesmal so, wie du es dir vorgestellt hast?
Ja, größtenteils schon. Ich wollte unbedingt tiefer in den Wassersektor eintauchen und die Strukturen in Jordanien besser verstehen. Das hat auch geklappt, aber ich habe unterschätzt, wie viel Arbeit gleichzeitig in den deutschen Projekten anfällt. Dadurch hatte ich weniger Zeit, um mich neben dem Hauptprojekt noch anderweitig einzubringen. Ich hätte zum Beispiel gern mehr Akquise-Arbeit gemacht oder mich in andere Projekte eingearbeitet. Dafür war die Zeit einfach zu knapp. Aber zwei Monate sind nun mal eine sehr kurze Zeit, vor allem, wenn man sich erst mal in die Strukturen einarbeiten muss.
In welchem Projekt solltest du mitarbeiten und wie hat das funktioniert?
In dem Projekt „Electric Load Management in the Jordanian Water Sector”, das war wirklich spannend! Im Kern geht es darum, den Energieverbrauch im jordanischen Wassersektor zu optimieren und so Kosten zu sparen. Konkret durch Load Shifting, also das Verschieben des Pumpbetriebs in Zeiten mit günstigeren Stromtarifen oder höherer erneuerbarer Energieverfügbarkeit.
Es bestand aus fünf Arbeitspaketen und als ich in Jordanien war, befand es sich noch relativ am Anfang. Wir haben die Daten der verschiedenen Wasserversorgungssysteme aufgenommen und analysiert, für welche Anlagen Load Shifting überhaupt anwendbar ist.
Parallel dazu wurden die ersten Prototypen eines integrierten Finanztools entwickelt und getestet, das verschiedene Szenarien und Faktoren abbilden soll, zum Beispiel Tarifstrukturen oder Investitionskosten. Das war komplexer als gedacht, weil eine gute Datenlage entscheidend ist und die nicht immer gegeben war. Das macht es schwierig, belastbare Aussagen zu treffen.
Ich hatte ja schon durch mein Austauschsemester in Jordanien ein gewisses Grundverständnis des Wassersektors, aber mein Verständnis ist deutlich tiefer geworden – insbesondere was die Wasserinfrastruktur und die einzelnen Versorgungsdistrikte angeht.
Was war konkret deine Aufgabe in deiner Zeit vor Ort?
Ich war vor allem bei der Datenerhebung dabei, was ehrlich gesagt ziemlich mühselig war. Viele Termine fanden auf Arabisch statt, also haben das die lokalen Kolleginnen und Kollegen übernommen.
Ich habe dann im Anschluss die Ergebnisse aufzubereiten und bei der Vorbereitung von Präsentationen für die GIZ unterstützt.
Ist das Projekt jetzt abgeschlossen?
Das Projekt wurde Anfang dieses Jahres abgeschlossen. Ich war ganz zu Beginn dabei und wäre sehr gerne noch weiter Teil des Teams geblieben, aber in der Realität ließ sich das leider nicht umsetzen.
Warum?
Das hat mit den anderen Projektaufgaben in Deutschland genauso zu tun, wie mit den zur Verfügung stehenden Projektbudgets, die bei einer internationalen Zusammenarbeit die unterschiedlichen Gehaltsgefüge nicht abbilden. Die Expertise in der Umsetzung soll in den Ländern aufgebaut werden, was ich grundsätzlich richtig und wichtig finde. Nur die Projektleitung wird zum Beispiel mit Experten aus Deutschland budgetiert.
Persönlich finde ich es schade, dass ich deshalb in meiner jetzigen Position als Projektingenieurin nicht weiter am Projekt mitarbeiten konnte.
Was hast du im fachlichen Kontext Wassermanagement gelernt?
Ich habe noch mal eine neue Perspektive darauf bekommen, wie wichtig das Zusammenspiel von Wasser- und Energiesektor ist. Genau das begeistert mich am Thema Wasser immer wieder aufs Neue – es ist so interdisziplinär. Und ein Land wie Jordanien zeigt das besonders deutlich.
Außerdem kommen dort noch besondere Herausforderungen hinzu: die extreme Wasserknappheit, wirtschaftliche Einschränkungen und eine Infrastruktur, die aufgrund der Geografie enormen Aufwand erfordert, da das Wasser über große Höhenunterschiede gepumpt werden muss. Das alles zusammen macht den Sektor dort noch mal deutlich komplexer.
Dazu kommen viele verschiedene Akteure, die alle koordiniert werden müssen. Mein Verständnis dafür, wie diese Strukturen ineinandergreifen und wo Optimierungspotenzial steckt, ist durch das Projekt wirklich gewachsen.
Wie war die Zusammenarbeit mit den lokalen Kolleginnen, Kollegen und Projektpartnern?
Die war großartig! Die Kolleginnen und Kollegen vor Ort waren unfassbar herzlich. Sie haben sich super um mich gekümmert, vor allem in den Mittagspausen. Es wurde immer geschaut, ob ich was zu essen habe, und oft wurde mir sogar Essen bestellt. Die Menschen in Jordanien sind unfassbar herzlich und gastfreundschaftlich, das ist jedes Mal wieder schön zu erleben.
Was war dein Lieblingsgericht?

Das Nationalgericht Jordaniens, „Mansaf“: Lamm und Reis mit Jameed – das ist quasi eine heiße Jogurt Soße aus fermentierter Ziegenmilch, die da drüber geschüttet wird. Sehr, sehr lecker. Traditionell wird es gemeinsam von einem zentralen Tablett mit den Händen gegessen. (Für Interessierte: Nationalgericht Jordanien: Mansaf (Rezept)
Hat sich dein Arabisch verbessert?
Ein bisschen, aber ich bin noch weit davon entfernt, fließend zu sprechen. Ich konnte Grundbegriffe vertiefen und die Alltagssprache auffrischen. Das hat mir geholfen, die Dynamik in den Meetings besser zu verstehen.
Inwiefern hat deine Zeit in Jordanien die internationale Ausrichtung von spiekermann und die Integration in die Dorsch Global gestärkt?
Ich glaube, solche Einsätze sind extrem wichtig, um die internationale Zusammenarbeit zu fördern. Es zeigt, wie viel Potenzial in der Kooperation zwischen den Unternehmen bei Dorsch Global steckt. Ich habe das Gefühl, dass ich ein kleines Bindeglied zwischen spiekermann und den internationalen Projekten sein konnte, und hoffe, dass diese Art von Einsätzen in Zukunft noch mehr gefördert wird.
Was nimmst du aus dieser Zeit mit?
Vor allem die Bestätigung, dass ich unbedingt mehr internationale Projektarbeit machen möchte. Der Einsatz hat mir noch mal gezeigt wie viel Spaß mir das macht – die Arbeit in einem internationalen Team, in einem anderen Kontext, mit anderen Herausforderungen. Für diese Möglichkeit bin ich wirklich dankbar und ich hoffe, dass ich in Zukunft noch mehr solcher Projekte machen kann. Genau das begeistert mich am Thema Wasser immer wieder aufs Neue – es ist so interdisziplinär. Und ein Land wie Jordanien zeigt das besonders deutlich.
Was würdest du anderen empfehlen, die auch über einen solchen Einsatz oder Austausch nachdenken?
Wenn man interessiert und offen ist und zeigt, dass man Lust hat, wird man in der Regel herzlich aufgenommen und bekommt auch wirklich viel zurück. Ich habe von den Kolleginnen vor Vorort sehr positives Feedback bekommen. Einfach Spaß daran haben, Neues kennenzulernen.
Es gab viel Unterstützung von spiekermann und Dorsch Impact und von der Ankunft bis zur Abreise hatte ich immer Unterstützung vor Ort, konnte immer Fragen stellen. Es war sehr aufregend und insgesamt einfacher als anfangs gedacht.
spiekermann ist Teil der Dorsch Europe, die wiederum zur Dorsch Global gehört – und das bietet unseren Mitarbeitenden jede Menge Möglichkeiten für die persönliche Weiterentwicklung. Schauen Sie doch direkt mal bei den Stellenanzeigen vorbei.
