DCONex 2026: Bauen im Bestand, Flächenrecycling, Schadstoffe

Niklas Feyen, Nachhaltigkeitsmanager bei spiekermann, war am 27. Januar 2026 als Besucher auf dem Fachkongress Schadstoffmanagement DCONex 2026 in Münster. Was aus seiner Sicht besonders spannend und für unsere Projekte generell relevant war, beschreibt er hier.

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Niklas Feyen, Nachhaltigkeitsmanager und Projektleiter in der Abteilung Umweltdienstleistungen bei spiekermann

“Im Rahmen der Veranstaltung wurden zahlreiche aktuelle Entwicklungen rund um Schadstoffe, Sanierungstechniken und nachhaltiges Bauen diskutiert. Die Bandbreite der Vorträge reichte von neuen technischen Verfahren über rechtliche Fragestellungen bis hin zu nachhaltigen Konzepten für Rückbau, Kreislaufwirtschaft und Produktverantwortung.

Wiederverwendung von Baumaterialien

Ein zentrales Thema war die Frage, wie Baumaterialien künftig besser wiederverwendet werden können – da beginnt man idealerweise schon vor dem Recycling. Beispiele wie die Wiederverwendung von Fenstern, Fliesen oder kompletten Bauteilen zeigen, dass das Potenzial groß ist.

Digitale Plattformen

Gleichzeitig werden die praktischen Herausforderungen deutlich: Die Lagerung benötigt viel Fläche, passende Abnehmer zu finden ist komplex und erfordert frühzeitige Abstimmung. Es wird daher an digitalen Plattformen und Logistikkonzepten gearbeitet, um eine Wiederverwendung besser zu organisieren. Die Aufnahme von Produkten zur potenziellen Weiternutzung bereits vor dem eigentlichen Rückbau ermöglicht Vorab-Bestellungen, um die Bauausführung selbst so wenig wie möglich aufzuhalten. Das kann für alle Unternehmen von Dorsch Europe interessant sein.

Kreislaufwirtschaft

Ein weiteres wichtiges Diskussionsthema war die Produktverantwortung im Sinne der Kreislaufwirtschaft – etwa beim Einsatz neuer Geokunststoffe für temporäre Baustraßen. Diese Materialien sind technisch vorteilhaft, werfen jedoch Fragen der späteren Verwertung auf, insbesondere da es sich um Kunststoffe handelt.

Es wurde deutlich, dass Nachhaltigkeit immer im gesamten Lebenszyklus betrachtet werden muss – von der Anwendung über die Wiederverwertung bis hin zur Entsorgung.

Betonbruch

Großen Raum nahm auch das Thema Betonbruch ein, insbesondere der Umgang mit potenziell asbesthaltigen Abstandhaltern in Stahlbeton. Da eine Sanierung im eingebauten Zustand nach aktuellem Stand der Technik oft nicht möglich ist, rückt die emissionsarme Aufbereitung in Brechanlagen in den Vordergrund. Verschiedene Trennverfahren – manuell oder automatisch nach Dichte – werden aktuell getestet, um asbesthaltige Komponenten sicher zu entfernen. Damit können sowohl die als „gefährliche Abfälle“ zu deponierenden Materialien reduziert und gleichzeitig die Mengen an wiederverwendbarem Recyclingmaterial im Sinne der ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft maximiert werden.

PCB im Innenraum

Ebenfalls diskutiert wurden neue Grenzwerte für PCB in der Innenraumluft. Da aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse die bisherige Bewertungsgrundlage überholt haben, werden die Maßnahmenwerte (gefahrenbezogener Interventionswert von 3.000 ng/m³ Raumluft auf 800 ng/m³ Raumluft) deutlich abgesenkt. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass eine Festlegung eines Sanierungszielwerts (bisher: Vorsorgewert von 300 ng/m³ Raumluft) als ein Zehntel des Maßnahmenwertes technisch kaum realisierbar wäre, was extrem hohe Kosten und in der Umsetzung praktische Schwierigkeiten verursachen würde.

Künftig werden Behörden und zuständige Fachgutachter daher voraussichtlich häufiger im Einzelfall abstimmen, wie sich – soweit technisch möglich – eine Vorgehensweise umsetzen lässt, die den neuen Erkenntnissen und dem Nutzerschutz gerecht wird.

Viel Bewegung: technisch wie rechtlich

Insgesamt zeigte die Veranstaltung, dass die Branche sich intensiv mit Fragen der Kreislaufwirtschaft, geschlossenen Stoffströmen und nachhaltigen Sanierungsstrategien auseinandersetzt, um der gravierenden Verantwortung des Bausektors gerecht zu werden. Viele Themen befinden sich noch im Wandel, und es gibt selten einfache Lösungen. Doch die lebhaften Diskussionen machen deutlich, dass sich sowohl technisch als auch rechtlich viel bewegt – und dass nachhaltiges Bauen zunehmend zu einem zentralen Wettbewerbs- und Zukunftsfaktor wird.

Vielen Dank für diesen Einblick!