News - Wehrhahnlinie Duesseldorf - Spiekermann GmbH Consulting Engineers

Wehrhahn-Linie: Kunst im Tunnel

„Die neuen U-Bahnhöfe sollen zum Verweilen einladen und zur Stadt Düsseldorf passen: weltoffen, innovativ, anspruchsvoll und kreativ“ (Zitat Verkehrsdezernent 2015: Stephan Keller)

Mit dem Bau der Wehrhahn-Linie waren Architekten erstmals aufgefordert, ihre Entwurfsplanung in enger Zusammenarbeit mit Künstlern zu erarbeiten bzw. zu entwickeln, so dass künstlerische Gestaltung und Architektur gleichermaßen aufeinander eingehen und im Ergebnis einen gemeinsamen Raumeindruck prägen. Im Jahr 2001 lobte die Stadt Düsseldorf den Wettbewerb für die Gestaltung der U-Bahnhöfe der Wehrhahn-Linie aus. Dieser Ansatz war für die Landeshauptstadt als Bauherr neu und besitzt damit experimentellen Charakter.

Die optische und bautechnische Ausformung der unterirdischen Bahnhöfe richtete sich nicht mehr ausschließlich nach den Vorgaben von Tunnelkonstrukteuren, sondern folgte nun gleichwertig auch künstlerischen und architektonischen Konzepten. Mit dem Projekt „Wehrhahn-Linie“ war Kunst nun kein gestalterischer „I-Punkt“ mehr, der bei Bedarf und nach Fertigstellung des architektonischen Entwurfs hinzugezogen wurde. Die Wehrhahn-Linie zeigt mit der gezielten Symbiose von Architektur und Kunst ab Projektbeginn, dass es durchaus erfolgreich möglich ist, die projektspezifischen Rahmendaten eines unterirdischen, öffentlichen Raumes von Künstlern mit fixieren zu lassen.

In dem daraus resultierenden technisch-künstlerischen Arbeitsprozess entstanden in der Planungs- und späteren Ausführungsphase zahlreiche produktive Abstimmungs- und Diskussionsrunden, verbunden mit Atelierbesuchen und späteren 1:1 Bemusterungen. Viele der gestalterischen Entwurfsideen zur Oberflächengestaltung/Oberflächentextur der Bauelemente „Boden/Wand/Decke“ mussten in Hinblick auf ihre konstruktiven und unterhaltungstechnischen Eigenschaften seitens der Architekten und Künstler hinterfragt und untersucht werden. Im Ergebnis sollte eine Ausbauverkleidung entwickelt werden, die zum einen der täglichen Beanspruchung eines öffentlichen Raums und den Anforderungen an z.B. Vandalismus gerecht wird und zum anderen dennoch Raum für eine unkonventionelle und ästhetisch hochwertige Architektur und Kunst lässt.

Beispiel für den Entwicklungsprozess der Oberflächentexturen, U-Bhf. Heinrich-Heine-Allee:

News - Wehrhahn-Linie Oberflechentextur von Jörg Hempel - Spiekermann GmbH Consulting Engineers
News - Wehrhahn-Linie Oberflächentextur 2015 von Jörg Hempel - Spiekermann GmbH Consulting Engineer

Neben diesen planungsbegleitenden Oberflächenmodifikationen stellten auch die persönlichen Entwicklungen der Künstler immer wieder neue Herausforderungen an die Konstrukteure und Architekten dar, d.h. nicht jeder Entwurf aus dem Wettbewerbsjahr 2001 oder der nachfolgenden Planungsjahre hatte noch in der Ausführungsphase Bestand.

Beispiel für den Entwicklungsprozess des künstlerischen Entwurfs, U-Bhf. Pempelforter Straße:

News - Wehrhahn-Linie Bänder farbig von Jörg Hempel - Spiekermann GmbH Consulting Engineers
News - Wehrhahn-Linie Bänder schwarz-weiß von Jörg Hempel - Spiekermann GmbH Consulting Engineers

Bei der Wandverkleidung „Kontinuum“ erfolgten ebenfalls sehr intensive Abstimmungen zwischen den konstruktiven Planern und den Künstlern mit deren Entwurfsideen.

News - Wehrhahn-Linie kontinuum - Spiekermann GmbH Consulting Engineers

Mit der Idee eines „unterirdischen Kontinuums“, also eines lückenlos zusammenhängenden Systems, sollten sich die Tunnelröhren wie eine eigenständige, unterirdische Parallelwelt durch die Stadt bewegen, die sich im Bereich der Stationen aufweitet. Die Reliefstruktur der Betonwände wurde seitens der Künstlerin in Anlehnung an mathematische Codierungen von Dokumenten mit Sicherheitsmustern nachempfunden, deren Linien zur Erzeugung einer räumlichen Wirkung unregelmäßig wiederkehrend verdichtet wurden und damit optisch einer sich weitenden oder stauchenden Wellenstruktur ähneln. Infolge dieser (Quelle:

www.wehrhahnlinie-duesseldorf.de/detail/de/15) Verzerrungen entstanden in Teilbereichen nun auch Wandverkleidungsplatten, die neben den symmetrischen Regelrauten auch großformatige sowie kleinteiligere Sonder- Plattenformate beinhalteten. Bei diesen „Sonderformaten“ mussten analog der Standardplatten die gleichen statischen Vorgaben sowie die vorgegebenen Grenzwerte der z.B. Vandalismuslasten erfüllt werden. Um neben diesen konstruktiven Randbedingungen auch weiterhin dem ästhetischen Anspruch gerecht zu werden, wurde seitens der Planer z. B untersucht, wie eine Befestigung und Stabilisierung der unregelmäßigen, kleinteiligen Platten erfolgen kann.

Im Ergebnis wurde gemeinsam mit den Architekten und Künstlern entschieden, derartige Wandplatten aus einem Betonwerksteinelement eines benachbarten Paneels zu fertigen, das heißt, auf einem Wandpaneel wurden 2 Rautenelemente abgebildet. Um dem optischen Erscheinungsbild von 2 Stück Rauten aus dem architektonischen Entwurf gerecht zu werden, wurden Scheinfugen in den Betonwerkstein gefräst. Damit konnte eine standardmäßige Befestigung an der Unterkonstruktion erfolgen und eine ausreichende Stabilität gegen z.B. Schläge oder Tritte erreicht werden. Es entstand eine homogene und entwurfsgetreue Wandabwicklung, die alle technischen Anforderungen erfüllt. Als Klammer und Verbindung nach oben wurden die Stationen über Einschnitte mit dem oberirdischen Stadtraum verbunden und durch kegelförmige Schlitze mit natürlichem Licht versorgt. Die Einschnitte sowie deren künstlerische Gestaltung prägen jede Station innerhalb des Kontinuums in ihrer eigenen Identität. Neben dem daraus resultierenden, hellen Erscheinungsbild der U-Bahnhöfe entstehen infolge der offenen Raumstruktur (Auflösen von massiven Wandflächen durch Ausführung von Stützen) in den U-Bahnhöfen auch Blickbeziehungen und Einsehbarkeiten in die verschiedenen Verkehrsebenen. Dem Fahrgast wird damit eine einfache Orientierung/Übersichtlichkeit der Wegebeziehungen sowie ein hohes Maß an sozialer Kontrolle in den Bahnhöfen gegeben.

Vergleich anhand des U-Bahnhofs Heinrich-Heine-Allee:

News - Wehrhahn-Linie Fahrebene von Carola Resch - Spiekermann GmbH Consulting Engineers
Wehrhahn-Linie Fahrebene neu von Jörg Hempel - Spiekermann GmbH Consulting Engineers

Seit der Inbetriebnahme der Wehrhahn-Linie ist die Anzahl der Fahrgäste auf dieser Fahrstrecke deutlich gestiegen. Gründe hierfür bilden zum einen die hohe ausbautechnische Qualität der U-Bahnhöfe und der damit verbundene positive Aufenthaltscharakter und zum anderen die Verkürzung der Fahrzeiten. Die ehemalige Trassierung der Stadtbahnstrecke an und in der Straßenoberfläche führte vor dem Bau der Wehrhahn-Linie regelmäßig zu Stausituationen und Unfällen mit dem Auto- und Busverkehr, woraus regelmäßig Verspätungen resultierten. Aufgrund der nun autarken Verkehrsführung in einem eigenständigen Verkehrstunnelsystem erreichen die Stadtbahnfahrzeuge nun im innerstädtischen Bereich die ausgewiesenen Ankunftszeiten. Seitens der Düsseldorfer Bevölkerung wird die Wehrhahn-Linie bzw. die „Kunstlinie“ sehr positiv wahr- und aufgenommen. Das innerstädtische Stadtbild erfuhr aufgrund der neuen unterirdischen Verkehrslage eine deutliche Beruhigung und kann nun v.a. in der Altstadt als „reine“ Fußgängerzone erlebt werden. Daneben wird deutlich, dass ein hohes Maß an Akzeptanz und Wertschätzung für die Wehrhahn-Linie existiert, da es bis dato zu keinen Graffiti- oder Vandalismusschäden an den hochwertigen Wand- und Bodenverkleidungen der U-Bahnhöfe gekommen ist.



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