Mehr Fahrradstraßen für eine bessere Umwelt

Radverkehr in Deutschland - mehr Fahrradstraßen eine Bessere Umwelt

Mehr Fahrradstraßen für eine bessere Umwelt

Niemand würde es zurzeit wagen, Deutschland ein Fahrradland zu nennen. Die Heimat von Mercedes Benz, BMW oder Volkswagen hat allerdings mit den vielen Autos insbesondere in den Städten Probleme: tägliche Staus, die Umweltbelastung und unendliche Parkplatzsuchen führen zu langsamem Umdenken.

Immer mehr Städte haben mit einer zu hohen Feinstaubbelastung im Innenstadtbereich zu kämpfen. Lösungen sind zum einen Umweltzonen, die besonders schädliche Kraftfahrzeuge ausschließen, und zum anderen die Förderung von alternativen Fortbewegungsmöglichkeiten: zum Beispiel über den Infrastrukturausbau des Radverkehrs mit Hilfe von sogenannten Fahrradstraßen. Ziel ist, dass die Bevölkerung öfter mal das Fahrrad nutzt.

Beispielsweise hat die Stadt Essen sich zum Ziel gesetzt, die Verteilung der Verkehrsmittel bis zum Jahr 2035 gleichmäßig zu verteilen: 25% ÖPNV, 25% Pkw, 25% Fußgänger und 25% Radverkehr. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, fördert auch der Bund den Ausbau des Essener Radverkehrs.

Im Essener Stadtgebiet existieren neben den normalen Radwegen, Schutz- und Radfahrstreifen auch richtige Fahrradstraßen und Radwege auf stillgelegten Bahntrassen – und das bereits mit einer Gesamtlänge von über 200 km. Das jährliche Budget für den Ausbau des Radverkehrsnetzes beträgt aktuell 500.000 €.

Radfahren auf Rad-Autobahnen als Alternative zum täglichen Stau

Rad-Autobahnen als Alternative zu vollen Autobahnen? Grundsätzlich ja! Diese Rad-Autobahnen werden auf stillgelegten Eisenbahnstrecken angelegt. Optional werden diese komplett neu geplant. Ziel ist es, große Distanzen zu fahren, ohne signifikante Steigungen und ohne mit anderen Verkehren in Kontakt zu kommen. Gute Bedingungen für eine solche Lösung sind Park & Ride Parkplätze in der Peripherie der Städte, ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz und zahlbare Ticketpreise, sodass sich der Wechsel auch finanziell lohnt.

Politische Unterstützung und finanzielle Förderung für den Radverkehr allgemein

Die Förderung des Radverkehrs ist eine gemeinschaftliche Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen. Hierfür beschloss der Bund 2012 den Nationalen Radverkehrsplan 2020. Der Nationale Radverkehrsplan (NRVP) bildet die Grundlage für die Radverkehrspolitik in Deutschland und definiert die Rahmenbedingungen zur Stärkung des Fahrradverkehrs als Gesamtsystem. https://nationaler-radverkehrsplan.de/de/bund/nationaler-radverkehrsplan-nrvp-2020.

Das Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), stellte im Jahr 2016 über 100 Mio. € für die Förderung des Radverkehrs bereit. Der Radweg Deutsche Einheit ist zum Beispiel ein gemeinsames Vorhaben des BMVI und insgesamt sieben Bundesländern.

Darüber hinaus unterstützen starke Akteure aus Tourismus und Radverkehr die länderübergreifende Zusammenarbeit als Partner: Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V. mit mehr als 150.000 Mitgliedern; Deutscher Tourismusverband e.V. mit rund 100 Mitgliedsorganisationen; sowie die Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. (DZT) als Marketingorganisation für den Tourismus. Private Unternehmen, Verbände, Krankenkassen, Medien und Bürgerinnen und Bürger engagieren sich ebenfalls für den Radverkehr in Deutschland.

Rechtliche Rahmenbedingungen und begleitende Maßnahmen

Über die Finanzierung von Radverkehrsinfrastruktur sowie die Förderung von Modellprojekten hinaus hat das BMVI eine wichtige Aufgabe bei der Weiterentwicklung des Rechtsrahmens (z.B. StVO, StVZO). Es liegen bis dato in Deutschland keine allgemeingültigen Gestaltungs- und Einrichtungsempfehlungen für Fahrradstraßen vor. Die StVO sowie die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen geben wenige Vorgaben.

Aktuell sind keine einstimmigen Regeln vorhanden, die beispielsweise Auskunft darüber geben, wie eine Straße, in der der Radverkehr Vorrang hat, beschaffen sein soll. Obwohl eine Untersuchung von Radstraßen in verschiedenen Städten ergab, dass diese einen positiven Nutzen für den Radverkehr darstellen, besteht eindeutig Handlungsbedarf bei der Umsetzung dieser Infrastrukturmaßnahmen. So bestehen zum Beispiel zahlreiche Unterschiede bei der jeweiligen Ausführung: Von Fahrradstraßen, die durch ein Schild an Ein- und Ausfahrt gekennzeichnet sind, bis hin zu Paradebeispielen mit markierten Schutzstreifen zum ruhenden Verkehr oder regelmäßig aufgebrachten Piktogrammen auf der Fahrbahn.

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Genau an diesem Punkt gilt es anzusetzen. Ziel ist ein einheitliches Erscheinungsbild bei der Beschilderung und den Piktogrammen sowie maximale Sicherheit in Fahrradstraßen.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Kommunikation mit den Verkehrsteilnehmern, denen die Vorschriften für Fahrradstraßen meist nicht geläufig sind. Bevor eine neue Fahrradstraße eröffnet wird, ist im Vorfeld umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Bürgerinnen und Bürger können damit die einhergehenden Vorteile nutzen.

Ausblick

Es wäre wichtig, dass die Politik Gestaltungs- und Handlungsempfehlungen für Fahrradstraßen erarbeitet. Es existieren bisher wenige Untersuchungen zur Verkehrssicherheit und zur Akzeptanz von Fahrradstraßen. Fahrradstraßen und damit die Förderung des Radverkehrs, bieten eine gute Chance, die Feinstaubbelastung in den Städten zu reduzieren und dadurch das städtische Klima zu verbessern. Die Tendenz zu einem gesünderen Leben, indem die Menschen sich mehr bewegen, würde dann noch leichter fallen.